Große Reform des französischen Wirtschaftsrechts (PACTE)
Eine der letzten großen Reformen des französischen Wirtschaftsrechts, das „PACTE“-Gesetz, soll die Gründung von Gesellschaften vereinfachen, deren Wachstum fördern und diese unterstützen. Hier sind einige Elemente, die auch Sie betreffen können:
Frist beachten!
Für viele Unternehmen fällt der Abschlussprüfer weg
LAURA REJANO
Wie wir bereits in unserem letzten Newsletter angekündigt hatten, wurde beschlossen, die Schwellenwerte für die Ernennung von Wirtschaftsprüfern zu erhöhen, um die Unternehmen von unnötigen Kosten zu entlasten.

Von nun an müssen nur noch Unternehmen (unabhängig von ihrer Rechtsform), die zwei der folgenden drei Bedingungen erfüllen, ihre Jahresabschlüsse von einem Wirtschaftsprüfer testieren lassen:

• Bilanzsumme von mind. 4 Millionen Euro, 
• Umsatz vor Steuern von mind. 8 Millionen Euro,
• mind. 50 Mitarbeiter. 

Zur Erinnerung: Bislang mussten Unternehmen einen Abschlussprüfer ernennen, wenn sie zwei der folgenden Schwellenwerte überschritten: 2 Millionen Euro Umsatz, 1 Million Euro Bilanzsumme, 20 Mitarbeiter. Die SAS musste einen Abschlussprüfer ernennen, sobald sie von einer Kapitalgesellschaft kontrolliert wurde, unabhängig davon, ob die Schwellenwerte erreicht wurden.

Muttergesellschaften (mit Sitz in Frankreich) und deren (französische) Tochtergesellschaften müssen ebenfalls einen Abschlussprüfer ernennen, sobald die Gruppe die oben genannten Schwellenwerte überschreitet. Diese Verpflichtung wird aller Voraussicht nach nicht für Muttergesellschaften mit Sitz in Deutschland gelten. Solange ihre französische Tochtergesellschaft die Schwellenwerte nicht überschritten hat, sollte diese keine Abschlussprüfer ernennen müssen.

Ein in der Vergangenheit ernannter Abschlussprüfer muss seinen Auftrag erfüllen (insgesamt 6 Jahre). Am Ende dieser Amtszeit kann das Unternehmen allerdings entscheiden, sie nicht mehr zu verlängern, sofern die oben genannten Schwellenwerte unterschritten sind. Bei Neugründungen von SAS in Frankreich wird man fortan in aller Regel auf die Ernennung eines Wirtschaftsprüfers verzichten können.

Die neuen Regelungen zur Bestellung von Wirtschaftsprüfern sind zum 27. Mai 2019 in Kraft getreten.
PRAXISTIPPS

• Überprüfen Sie anhand der neuen Schwellenwerte, ob Sie noch verpflichtet sind, einen Abschlussprüfer zu bestellen.

• Wenn sie unterhalb der Schwellenwerte liegen, können Sie ggf. noch im Rahmen Ihrer diesjährigen Gesellschafterversammlung entscheiden, die Amtszeit Ihres Abschlussprüfers auslaufen zu lassen und ihn nicht mehr erneut zu bestellen.

laura rejano
0221 139 96 96 0
Weniger Schwellenwerte
dr. christophe kühl
Es gibt im französischen Wirtschaftsrecht 49 Schwellenwerte, die insgesamt 199 Verpflichtungen für Unternehmen auslösen. Zusätzlich zu ihrer Anzahl unterschieden sich die Berechnungsmethoden und erschwerten somit das Leben der Unternehmen.

Die mit den Belegschaftsschwellen verbundenen Verpflichtungen werden nun verringert und vereinfacht, die meisten davon allerdings erst ab dem 1. Januar 2021.

Die 49 Schwellenwerte wurden auf die drei Schwellenwerte 11, 50, 250 Mitarbeiter reduziert, die Schwellenwerte von 10, 20, 25, 100, 150 und 200 Mitarbeiter wurden gestrichen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Beschäftigungsschwellen aus dem neuen französischen Arbeitsrecht von diesen Bestimmungen nicht betroffen sind.

Besonders interessant: Unternehmen, die bislang ab dem 20. Mitarbeiter eine Geschäftsordnung haben mussten, werden ab dem 1. Januar 2021 von dieser Verpflichtung befreit, sofern sie nicht 50 oder mehr Mitarbeiter haben.

Schließlich werden die Verpflichtungen nur Unternehmen betreffen, wenn die jeweilige Schwelle für fünf aufeinander folgende Kalenderjahre überschritten wird. Sie haben daher fünf Jahre Zeit, um sich an die neuen Verpflichtungen anzupassen. Sobald die Belegschaft des Unternehmens wieder unter die Schwelle sinkt, muss sie erneut für fünf aufeinander folgende Jahre erreicht werden, um die Verpflichtung zu erfüllen.
dr. christophe kühl
0221 139 96 96 0
Weitere Maßnahmen des "PACTE"-Gesetz
LAURE-AMANDINE TRÉSARRIEU
Steuer (Sozialpauschale) auf die Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter: In Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern wird die Steuer ab dem 1. Januar 2019 abgeschafft, um die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmensergebnis zu fördern.

Formalitäten für die Unternehmensgründung: Erhebliche Erleichterungen für die Praxis erhofft man sich daraus, dass alle Formalitäten für die Unternehmensgründung auf einer einzigen Online-Plattform abgewickelt werden können. Diese Plattform sollte bis zum 01.01.2021 erstellt werden. Spätestens ab dem 01.01.2023 werden die Unternehmen zwingend ausschließlich diese Plattform für die Erledigung ihrer Gesellschaftsformalitäten nutzen müssen.

Besteuerung der unentgeltlichen Übertragung von Unternehmen: Die als zu hoch eingestufte Schenkungs- und Erbschaftssteuer im Rahmen der unentgeltlichen Übertragung von Unternehmen (Dutreil-Pakt), die aktuell den geordneten Übergang des Familienunternehmens in vielen Fällen gefährdet, soll grundlegend reformiert werden.

Gesellschafterdarlehen und Gewährung von Darlehen durch die Geschäftsleiter: Jeder Gesellschafter einer société civile, SARL und aller Aktiengesellschaften (SA, SAS und SCA) darf ab jetzt ohne Mindestschwelle bezüglich ihrer Beteiligung an der Gesellschaft (bisher 5%) der betroffenen Gesellschaft Gesellschafterdarlehen gewähren. Diese Möglichkeit wurde ebenfalls auf folgende Geschäftsleiter erstreckt: Generaldirektor, stellvertretenden Generaldirektor und Präsidenten der SAS (bisher nur für Geschäftsführer der SARL, Verwaltungsmitglieder sowie Mitglieder des Vorstands oder des Aufsichtsrats einer SA anwendbar).
LAURE-AMANDINE TRESARRIEU
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